
Freitag, 29. Oktober 2010
Mercedes-Benz Museum - Beginn 20:00 Uhr
ROY HARGROVE QUINTET
Der amerikanische Trompeter, Komponist und Arrangeur ist einer der großen Stars der Jazzwelt und die Vielseitigkeit in Person. Nachdem er sich 2008 mit seinem Album „Earfood“ der Pflege des Hard-Bop-Erbes widmete, überraschte er 2009 auf „Emergence“ mit einer Hommage an die Ära der legendären Bigband-Leader wie Dizzy Gillespie, Count Basie, Duke Ellington, Maynard Ferguson und Gerald Wilson. Dennoch gibt es nichts Beliebiges in seinem Spiel – im Gegenteil: nur wenige erreichen in der improvisierten Musik ein derart großes Maß an Verbindlichkeit. Die coole Souveränität seines Vortrags ist jedes Mal erstaunlich. Die Tageszeitung ’Die Rheinpfalz’ schrieb über ein Konzert mit seinem Quintett: „Nach einem kurzen, offen angelegten Intro startete die Band zum musikalischen Höhenflug und berührte bis zum Konzertende den Erdboden nicht mehr. Jeder Musiker begeisterte als ausdrucksstarker Solist und hellwacher Begleiter. Jeder Chorus schien eine Geschichte zu erzählen, jede Note aus tiefstem Herzen zu kommen. Egal, ob Ballade, swingende Up-tempo-Nummer, New Orleans Groove oder Latin Jazz – alles war aus einem Guss, die Dynamik reichte von brachial bis hauchzart. (…) Wenn der zierliche Trompeter und Flügelhornist selbst ans Mikrofon trat, hatte er die Band und auch die Zuhörer nach nur wenigen Tönen fest in der Hand, so einnehmend und eindrucksvoll war seine musikalische Präsenz. Voller Leidenschaft, Dynamik, Ausdruck, Virtuosität und schillernder Farbenpracht war sein Spiel, schier grenzenlos sein musikalisches Vokabular. Die unbändige Spielfreude von Roy Hargrove und seinen herausragenden Mitmusikern (…) machte das Konzert zu einem durch und durch beglückenden Erlebnis.” Roy Hargrove ist mit gerade mal 40 Jahren ein zweifacher Grammy-Preisträger, der bereits über ein Dutzend Studio-Alben als Leader veröffentlicht hat. Geprägt von Gospelsongs sowie R&B, Soul und Funk der 70er Jahre machte Hargrove im Laufe seiner Ausbildung schon früh Leute wie Wynton Marsalis auf sich aufmerksam. Sein am Hard Bop orientierter Stil ist ungemein effektiv und dabei erstaunlich neutral gegenüber den Einflüssen großer Vorbilder wie Weather Report oder der M-Base-Szene der Achtziger. Roy Hargrove überzeugt nicht nur durch seine technische Perfektion, sondern vor allem durch den hohen emotionalen Gehalt seines Spiels. Während Roy Hargrove in der ersten Hälfte der 90er Jahre seine ersten fünf Alben unter eigenem Namen einspielte, machte er auch eine Reihe von Aufnahmen an der Seite von alten und neuen Meistern des Jazz wie Sonny Rollins, Jackie McLean, Frank Morgan, Slide Hampton, Johnny Griffin, Ricky Ford, Ralph Moore, Antonio Hart, Stephen Scott, Rodney Kendrick und Marc Cary. Und schon bald gab es auch erste Indizien dafür, dass ihm das Korsett des ’Young Lion’ ein wenig zu eng wurde. Auf Platten von Diana Ross, Steve Coleman & The Five Elements und Branford Marsalis streckte Hargrove seine Fühler in neue musikalische Richtungen aus. Auf seinen eigenen Alben blieb er zunächst dennoch dem traditionelleren Jazz treu. 1993 wechselte Hargrove zu Verve Records und nahm für das legendäre Label die brillanten Alben „With The Tenors Of Our Time", „Family" und „Parker's Mood" auf. Einem exzellenten Abstecher zum Cubop, der auf dem Album „Habana" (1997) dokumentiert ist, folgte 1999 das mit Streichern aufgenommene Balladen-Opus „Moment To Moment", das einem natürlich sofort das 1955 entstandene Album „Clifford Brown With Strings" in Erinnerung rief. Dann legte Roy Hargrove seine Solokarriere vier Jahre lang auf Eis, um sich in musikalische Projekte von anderen Künstlern einzubringen: So spielte er auf zwei Alben des Rappers Common mit, begleitete die NeoSoul-Diva Erykah Badu und den Sänger D'Angelo. Als Partner von Herbie Hancock und Michael Brecker nahm er 2002 außerdem das mit zwei ’Grammys’ ausgezeichnetete Album „Directions In Music: Live At Massey Hall" auf. Unermüdlich ist er bei seiner Suche nach Innovation und Austausch, wie auch sein Album-Doppelschlag für Verve 2006 zeigte: Während „Nothing Serious“ die rein akustische Seite Hargroves präsentierte, handelte es sich bei „Distractions“ um eine Fortsetzung des Neo-Soul-Jazz-Ansatzes, der bereits das 2003er Album „Hard Groove“ beherrschte, das er mit einem Ensemble namens RH Factor aufgenommen hatte: Dort mischten sich seine feurigen Soli und glänzenden Improvisationen mit den R&B- und HipHop-Strukturen, die von Gästen wie D’Angelo oder Q-Tip eingebracht wurden. Nachdem er bei den jazzopen 2008 nicht nur mit seinem Quintett im BIX das Publikum begeisterte, sondern auch den im besten Wortsinn fantastischen Auftritt von Erykah Badu, die er seit Schultagen kennt, auf dem Pariser Platz mit seiner unwahrscheinlichen Bühnen-Präsenz um eine weitere illustre Facette bereicherte, gastiert er jetzt mit seinem Quintett bei den jazzopen nights stuttgart im Mercedes-Benz Museum.
Besetzung:
Roy Hargrove (tp)
Justin Robinson (alto-sax)
Jonathan Batiste (p)
Ameen Saleem (b)
Montez Coleman (dr)